»MIND THE GAP« - ein temporärer Hybrid der Vielfalt am neuen Stuttgarter Hauptbahnhof
Franz Arlart (IEK – Prof. Moro)
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„Diese speziellen Orte, temporär umgenutzt, zeigen häufig, dass sie dem Begriff „Urbanes Leben“ völlig neue Inhalte mit ganz neuen unbekannten Qualitäten verleihen können.“ (Prof. Kees Christiaanse in „Urban Catalyst - mit Zwischennutzungen Stadt entwickeln“, 2014)

 

In unserer sich immer stärker wandelnden und flexibilisierten Welt verändert sich das traditionelle alt hergebrachte Wohn- und Arbeitsmodell stetig. Das Prinzip an einem Ort zu arbeiten und zu leben ist längst überholt. Neue Studien prognostizieren einen erheblichen Anstieg an Dynamik und Mobilität innerhalb der kommenden Jahre. Das gesellschaftliche Leben wird sich stark verändern. In Architektur und Stadtplanung sind bisher jedoch nicht hinreichend Nutzungskonzepte und -strategien für diese Entwicklung bedacht worden.

Der Bahnof als Inbegriff von Schnelllebigkeit und Flexibiltät erweist sich dabei als ein ganz besonderer Ort. Zumeist befinden sich diese Knotenpunkte inmitten der Stadt an zentralster Lage.

 

Der gerade in Bau befindliche Stuttgarter Hauptbahnhof zeigt hierbei eine bisher von den Planern nicht beachtete tatsächlich für mehrere Jahre vorkommende schwierige räumliche Situation auf. Eine gegenwärtige Baustraße (200m lang, 6m tief, 13m breit) wird nach Fertigstellung des neuen Tiefbahnhofes für ca. 6-8 Jahre als Brachfläche das Stuttgarter Stadtgefüge  durchtrennen. Durch die sich in den einzelnen Bauabschnitten des Bahnhofes und der angrenzenden Umgebungsbebauung des Rosensteinquartiers aufkommenden Situationen, musste hier ein sich ständig und einfach anpassbares Bausystem entwickelt werden. Dabei sind exemplarisch fünf Situationen entwickelt worden, sowie ein Zwischennutzungskonzept für die alte Gleisüberdachung des Kopfbahnhofes.

 

Neben der Integration moderner nachhaltiger Stadtmobiltät (E-Car Zone und E-Bike Tower) ist besonderes Augenmerk auf eine öffentliche Zwischenzone gelegt worden, welche als begrünter Erlebnisbereich mit alternativen Shops/Bars und Dienstleistungen eine neue Nutzergruppe zum Bahnhof bringen soll. Die darauffolgenden Geschosse orientieren sich an den Bedürfnissen multilokaler Reisender. Ein modulares Holzbausystem, welches durch einfache Fügungen und Anschlüsse immer wieder verändert werden kann, erlaubt hierbei eine große Vielfalt an Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Die Arbeit erfolgte in enger Kooperation mit der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH und wurde von verschiedenen Instituten und Fachdisziplinen der Universität begleitet. Es sollte ein Denkanstoss geliefert werden, inwiefern mit dieser tatsächlich bestehenden „Bauspalte“ ein attraktiver Stadtraum geschaffen werden kann - für das zunehmende Klientel der „multilokalen Nomaden“ und die Stadtbewohner von Stuttgart. Ein Ort - ungewöhnlich in seiner Situierung und geometrischen Auffindung, spannend in seiner architektonisch gestalterischen Konzeption - als temporäre Ergänzung für den in Bau befindlichen Stuttgarter Hauptbahnhof.

 

Bei den Baunetz Campus Masters wurde die Arbeit im Monat Januar/Februar mit einem Preis bedacht.