Universität Stuttgart - Architektur & Stadtplanung
Hort der Vergänglichkeit – Ein Friedhof in Berlin Mitte
Amelie Schlicht (IRGE – Prof. Allmann)
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Durch die unmittelbare Nähe zum Alexanderplatz in Berlin und der daraus entstehenden Kontrasterfahrung aus Be- und Entschleunigung besitzt die Franziskanerkirchenruine den Charakter eines der allgegenwärtigen Verflüchtigung standhaltenden Ankers. Aus der Überlegung, wie dieses Kleinod bewahrt und gestärkt werden kann, entstand der Gedanke einen Friedhof zu errichten: Denn auch dieser ist ein Aufbewahrungsort des individuellen und des kollektiven Gedächtnisses. In beiden schreibt sich das Moment der Zeit unmittelbar in die Architektur.

 

Im analytischen Teil meiner Masterarbeit habe ich mich insbesondere mit der Sepulkralkultur der Moderne beschäftigt: Die Beschleunigung unserer Kultur hat eine Mobilisierung der Friedhofskultur bewirkt. Das Auseinanderdriften von Bestattungs- und Erinnerungsorten konstituiert einen Aufschwung von Kemationen und anonymen Bestattungen (bspw. See- und Waldbestattungen). Doch dies stellt im Grunde die radikalste Unsichtbarmachung des Körpers dar und bildet einen Widerspruch zu dem Wunsch nach Dauerhaftigkeit, welcher tief in unserer Bestattungskultur verankert ist. Aus diesen Beobachtungen ist mein Entwurfskonzept erwachsen: Ich nutze die Schwere des Grabsteins um eine Verortung und eine Präsenz der Toten zu schaffen: Die menschlichen Überreste der Toten - ihre Asche - werden Teil einer Erinnerungsmauer, welche die Ruine mit einer Hülle umgibt und so als Ort des Gedenkens in der Mitte der Stadt sichtbar werden lässt. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Verzeitlichung: Denn die Mauer wächst mit der Zeit immer mehr in die Höhe. Dieser Prozess will Gegenteil des Verschwindens sein. Zunächst wirken die 'Grabsteine' wie eine Friedhofsmauer, durch das Hinzufügen weiterer Steine wird der Ort immer geschützter und schließlich von außen zu einem Geheimnis, sodass ein Mythos entsteht.

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