Universität Stuttgart - Architektur & Stadtplanung

Diplompreise der Fakultät

Anlässlich der Diplomverleihung zum Wintersemester 2010/11 der Fakultät Architektur und Stadtplanung am 06. Juni 2011, wurden von der Jury drei gleichwertige Diplompreise sowie vier Anerkennungen verliehen.

 

Mitglieder der Jury waren Prof. Dr. Johan Bettum (Städelschule Frankfurt) , David Cook (Behnisch Architekten Stuttgart), Prof. Markus Allmann, Prof. Dr. Jan Knippers, Prof. Dr. Mona Mahall, Prof. Achim Menges, Prof. Dr. Philipp Misselwitz, Prof. Peter Schürmann, Bettina Klinge, Lena Steinbuch. Es wurden insgesamt 114 Arbeiten aus 16 Instituten begutachtet.


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„Architektur Banale: Il faut être absolument moderne“, IRGE

 

Wulf Kramer, Carsten Güth, Stefan Georg Stähle, Maximilian Vomhof

 

Forschend und fragend, im Geiste der Situationisten, haben sich die vier Studenten in ihrer Diplomarbeit auf eine Reise mit ungewissem Ausgang begeben, da zu Beginn lediglich der Gegenstand der Betrachtung, ein Justizpalast in Brüssel, feststand. Dieser wurde 1883 im Stil des Eklektizismus nach Plänen von Joseph Poelaert fertiggestellt. So ungewöhnlich die Arbeit in ihrer Aufgabenstellung ist, so überzeugend ist sie in ihrer Umsetzung. Der vorgestellte Umfang mit vielen Teilprojekten, die inhaltliche Dichte und der diskursive Charakter der Arbeit erklären die außergewöhnliche, gleichzeitige Bearbeitung des Projektes durch vier Diplomanden. Die Auseinandersetzung mit dem historischen Gebäude wird zum Anlass, unser Wahrnehmen, Erklären und Bewerten von architektonischer Qualität in Frage zu stellen und damit neue Kategorien der Betrachtung zu eröffnen. In einer kaleidoskopartigen, kritischen Reflexion werden verschiedene Phänomene, ohne hierarchische Einordnung, beleuchtet. Die daraus entstehenden Teilprojekte, in deren Fokus Verfall, Zeichenhaftigkeit, Schichtung und Ornament stehen, sind überraschend, berührend und anregend. Im Besonderen bemerkenswert ist die große Sensibilität, mit der das Bestehende erfasst wird, die gestalterische Sicherheit, mit der die Themen umgesetzt werden, und der innovative, den Prozess in den Vordergrund stellende, Charakter von Methode und Präsentation.

 

 


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„High Rice - Ein Gewächshaus im Wolkenkratzer“, ITKE

 

Gundula Schieber

 

Die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung bei immer knapper werdenden Ressourcen stellt eine Herausforderung für künftige Generationen dar. Die Arbeit widmet sich dieser Problematik mit einer vertikal organisierten und optimierten Nahrungsmittelproduktion bei minimiertem Verbrauch an Wasser und Energie. Die Jury würdigt die außerordentlich tiefgehende Analyse der ökonomischen, ökologischen und agrarwissenschaftlichen Rahmenbedingungen, die zu einer funktional und technisch hervorragend gelösten baulichen Umsetzung mit einer eigenen architektonischer Ausdruckskraft führt.

 


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„Sehnsucht: Wohnquartier für Shanghai 2020“, IRGE

 

Weijie Wang, Liang Xu

 

 

Eine Reinterpretation und zeitgenössische Weiterentwicklung von vier historischen, gänzlich unterschiedlichen Stadtstrukturen in Shanghai ist das Ziel dieser Arbeit. Auf dem Fundament einer umfangreichen, präzisen Analyse werden die wesentlichen, charakterlichen Merkmale der bestehenden Wohnquartiere herausgearbeitet und in korrespondierende, den Bestand ergänzende bzw. ersetzende Projekte übertragen. Durch dieses einheitliche methodische Vorgehen, entstehen außergewöhnliche und doch für jeden Ort verbindliche und selbstverständliche Typologien. Insbesondere der in der vertiefenden Betrachtung ausgearbeitete Teil beweist dies eindrücklich. Mit einem feinen Gespür für das Unscheinbare, gestalterisch durchweg auf hohem Niveau, in allen Maßstäben fein justiert zeigt die Arbeit eine, aus der eigenen Geschichte heraus entwickelte, Alternative zu den Importarchitekturen westlicher Prägung auf.

 


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Anerkennungen

"Desertec Design" Thomas Oberniedermayr, Simon Fehrle

Institut für Baukonstruktion 2, Prof. Behling

 

In den Wüsten der Erde kann genügend sauberer Strom erzeugt werden, um die Menschheit nachhaltig mit Energie zu versorgen. Mit diesem Konzept sind auch neue architektonische Aufgaben verbunden, denen sich die Arbeit widmet. Sie macht einen Vorschlag für die zentralen Gebäude des Solarkraftwerks, die einerseits für die sukzessive Montage der Rinnenkollektoren, gleichzeitig aber auch als Informations- und Dienstleistungszentrum genutzt werden. Neben einer hervorragenden Darstellung und Durcharbeitung überzeugt die Arbeit durch eine durchdachte Funktionalität und eine modulare konstruktive Lösung, die zu besonderen architektonischen Qualitäten führen.

 

"Stadtwahrnehmung. City in the city, multi-layered Stuttgart West" Benjamin Frick

Institut für Grundlagen der modernen Architektur und Entwerfen, Prof. De Bruyn

 

In der Auseinandersetzung mit stadttheoretischen Konzepten zum Flanieren und Kartieren hat der Autor einen radikal subjektiven Erfahrungsbericht zum Stuttgarter Westen erstellt. Seine Sammlung feinkörniger Wahrnehmungen ist als Reisetagebuch oder besser: Reisetagebox archiviert, mit assoziativen Texten, Bilderserien und architektonischen Szenerien. Der Stadtschleicher hat es geschafft, dem scheinbar Wertlosen Wert zu verleihen, das kleinste Detail groß zu machen und die unsichtbare Stadt sichtbar werden zu lassen.

 

"Via Toris" Sarah Knodt, Katharina Wanke

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens , Prof. Allmann

 

Das Projekt beschäftigt sich mit einem Pilgerweg von Köln nach Trier als Teilstück des Jakobsweges nach Santiago de Compostela. Ausgangspunkt ist der Kölner Dom. Der Weg führt über vier Stationen. Auf der Pilgerstrecke befinden sich drei von den Verfassern entworfene "Landmarks", deren Gestaltung aber nach Meinung der Jury in Ansätzen stecken bleibt. Endpunkt ist ein bestehendes Kloster in Trier, das, ergänzt durch einen Neubau mit Turm, mit großer Sensibilität und Sinn für das gute Detail entworfen wurde. Die Grundrissfügung und die räumlichen Qualitäten zeigen sich in großer Klarheit und mit angenehmer Gelassenheit. Das Bauwerk mit dem ideenreichen Turm überzeugt als ein gut durchgearbeitetes Stück Architektur.

 

"Valle Maira - Ein Leitfaden zur Anerkennung von Entwicklungspotential und zu räumlichen Neudefinition zweier Gemeinden des Mairatales" Lorenz Brugger

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens , Prof. Allmann

 

Das Projekt widmet sich einem Schrumpfungsprozess, der viele Regionen des Alpenraumes betrifft, die sich außerhalb der touristisch attraktiven Destinationen befinden. In einer ausgezeichnet recherchierten und grafisch beeindruckend aufbereiteten Analyse werden die 13 Gemeinden des Mairatals im Westen des Piemont untersucht und die Entwicklungspotentiale aufgezeigt. Auch die Notwendigkeit einer Fokussierung auf einzelne Zentren und ein damit verbundener Rückbau an anderen Orten wird überzeugend dargestellt und mit möglichen zukünftig überlebensfähigen Nutzungen hinterlegt. Die Arbeit versucht klug und kritisch, eine grundsätzliche gesellschaftliche Fragestellung zu klären.

 

Lobende Erwähnungen

"Ein neuer deutscher Pavillion für die Biennale in Venedig", Heiko Johannes Müller

Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen, Prof. Lederer

 

"Sonnenschutz", Andreas Eisenhardt, Manuel Vollrath

Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen, Prof. Knippers

 

"Grenzarchitektur", Vera Kaps, Eva-Noemi Thiele

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens , Prof. Allmann

 

"H2O Mumbai", Moritz Griffel

Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren, Prof. Sobek

 

"Haus der Musik und darstellenden Kunst", Claudia Kaufmann

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens , Prof. Allmann

 

"Museum of Comic and Cartoon Art", Sebastian Müller

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens , Prof. Allmann

 

"Energetische Modernisierung von schulisch genutzten Immobilien", Benjamin Lasshof

Institut für Bauökonomie, Prof. Stoy

Kontakt

Öffentliche Kommunikation

Dipl.-Ing. Kerstin C. Ottmar

Keplerstr. 11, K1 - 1. OG, Raum 1.26

Tel. 0711/685-84912

 

E-mail: kerstin.ottmar(at)f01.uni-stuttgart(dot)de