Universität Stuttgart - Architektur & Stadtplanung

Diplompreise der Fakultät

Zur feierlichen Verabschiedung der Absolventen des Sommersemesters 2013 am 04. Dezember 2013, wurde der Diplompreis 2013 verliehen. Des Weiteren vergab die Jury vier Anerkennungen. Fünf weitere Arbeiten kamen in die engere Wahl.

Stimmberechtigte Mitglieder des diesjährigen Preisgerichts waren: Tim Schmitt (Schmitt von Holst, Berlin), Hans Klumpp (Klumpp+Klumpp Architekten, Stuttgart), Amber Sayah (Stuttgarter Zeitung), Henning Ehrhard (Bottega+ Ehrhard Architekten GmbH, Stuttgart), Max Reith (Diplompreisträger des Vorjahres).

 

Die Fakultät gratuliert herzlich allen Preisträgern zu ihren herausragenden Arbeiten.


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Diplompreis 2013: Jun Tan

"Kulturrevolution Denkmal in Shanghai"

IÖB, Prof. Lederer

 

Jun Tan hat einen Gedenk- und Gedächtnisort für die Opfer der maoistischen Kulturrevolution entworfen. Einen solchen Gedächtnisort gibt es bisher nicht in China. Die Verfasserin schreibt in ihrer Erläuterung, dass ein Museum oder Denkmal zu diesen Geschehnissen der Regierung nicht willkommen wäre. Daher zeugt dieses selbstgewählte Diplom-Thema von Mut zur kritischen Auseinandersetzung nicht nur mit der chinesischen Geschichte, sondern auch mit der heutigen offiziellen Geschichtsschreibung des Landes. Aber nicht für diesen Mut hat die Jury Jun Tan den Diplompreis zuerkannt, sondern für die bestechende gestalterische Logik und ästhetische Disziplin, mit der sie die traumatischen Erfahrungen in ein Labyrinth übersetzt. Ohne vordergründige Bildhaftigkeit wird in dem an Piranesis beklemmende Carceri erinnernden Gewirr von nirgendwohin führenden Treppen die Reminiszenz an das kollektive Trauma zu einer räumlichen und somit auch zu einer körperlichen Erfahrung. Der Isolation des Einzelnen in den Treppenfugen stellt der Entwurf die versöhnende, gemeinschaftsstiftende Form des Kuppeldachs im Zentrum des Gebäudes gegenüber. Als Platz für ihr Denkmal - einen kubischen Solitär zwischen Regierungsgebäuden und Kultureinrichtungen - hat Jun Tan einen Park in der Stadtmitte von Shanghai gewählt. Vor der Gründung der VR China wurde auf diesem Platz demonstriert, während der Kulturrevolution wurden hier Menschen an den Pranger gestellt. Heute soll das Denkmal jedem die Chance bieten, so schreibt die Verfasserin, "selbst zu beobachten und nachzudenken" - man könnte auch sagen, heute soll das Denkmal dem Land die Chance bieten, sich der eigenen Geschichte zu stellen.

 


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Anerkennung: Uwe Brost und Yongrae Cho

"Greater London"

SI, Prof. Pesch

 

Eine äußerst komplexe städtebauliche Arbeit an der Peripherie der City of London, die auf überzeugende Weise zeigt, wie ein solches Brachgebiet bei geschickten baulichen Maßnahmen unter Berücksichtigung funktionaler, räumlicher und gestalterischer Stadtzusammenhänge ein lebendiger, ganz eigenständig wirkender Wohn- Arbeitsund Aufenthaltsort entstehen könnte. Besonders überzeugen die geschickte Einbindung der vorhandenen Bahnlinie mit ihren Brücken sowie dem denkmalgeschützten Viadukt. Ein gutes Beispiel, das sehr nachvollziehbar zeigt, wie auch in großem Maßstab durch ein Entwicklungskonzept, das die Besonderheiten des Ortes zum Ausgangspunkt der zentralen Entwurfsidee nimmt, unverwechselbare stadträumliche und atmosphärische Qualitäten entstehen. Ein unspektakuläres, von großer Selbstverständlichkeit geprägtes, gerade deshalb aber umso gelungeneres Beispiel moderner und nachhaltig wirkender Stadtplanung


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Anerkennung: Susanne Gaisreiter

"Tigerfeld- Ein Haus für die Kunst "

IÖB, Prof. Lederer

 

Der Diplomentwurf für ein kleines Haus für die Kunst im Kontext einer dörflichen Struktur kann durch ein hohes Maß an Angemessenheit und Selbstverständlichkeit überzeugen; Attribute, welche man in der zeitgenössischen Architekturlandschaft heutzutage leider allzu häufig vermisst. Die Körnung der Dorfstruktur aufnehmend, bilden 3 einfache, raffiniert zueinander platzierte, Gebäudevolumen mit Pultdächern ein zusammengehöriges Ganzes, welches ein vielfältiges räumliches Museumserlebnis erzeugt. In einer Abfolge von flexiblen Ausstellungsflächen und gefassten Innenhöfen kann das Museum ungezwungen erlebt werden. Die wohltuende Einfachheit der Baukörper wird ebenso konsequent bis in die Detaillierung und Materialisierung umgesetzt. Die Jury hat sich gesamtheitlich begeistert gezeigt über dieses selbstverständliche Haus und verleiht der Verfasserin Susanne Gaisreiter sehr gerne eine Anerkennung beim diesjährigen Diplompreis der Universität Stuttgart.


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Anerkennung: Pablo Vitalis Hildebrandt

" Alternativen für Alt-Treptow "

SI, Prof. Pesch

 

In seiner Diplomarbeit "Alternativen für Alt Treptow - Das Spiel als Planungsinstrument" setzt sich Pablo V. Hildebrandt kritisch mit den oft von Markt und Investoren dominierten Stadtentwicklungen auseinander. Er entwickelt ein kreatives Planspiel als Gegenmodell zu diesen auf Mehrwert orientierten Stadtplanungen. Die Idee des Verfassers ist es unabhängig von ökonomischen Kreisläufen des Weltmarktes eine Strategie zu entwickeln die partizipatorische Stadtplanung möglich macht. Treibende Kraft des Planungsprozesses soll dabei ein nachbarschaftliches Netzwerk sein, dessen Teilnehmer selber erarbeiten welche Projekte sie in ihrem Stadtteil umsetzen wollen. Dem Stadtplaner weist er dabei die Rolle des Moderators zu. Pablo V. Hildebrandt erarbeitet hierfür ein Planungsspiel, das als Werkzeug dienen soll seine Vision eines im Kollektiv entwickelten Stadtraums möglich zu machen. Die Arbeit besticht durch ihre analytische Herangehensweise und die daraus resultierenden und konkreten Lösungsansätze. Sein aus der Theorie entwickeltes Spielkonstrukt unterzieht der Verfasser einem praktischen Feldversuch und stellt seinen theoretischen Ansatz auf die Probe. Ähnlich dem Aufbau eines physikalischen Experiments mit These, Beschreibung des Versuchsaufbaus, und Versuch kommt der Verfasser schließlich zu einem sehr gut nachvollziehbaren Fazit. Insgesamt eine bemerkenswerte Diplomarbeit die auch durch ihre grafische Umsetzung überzeugt.


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Anerkennung: Philipp Vogeley

"Umnutzung einer Kehrrichtverbrennungsanlage "

IRGE, Prof. Allmann

 

Ein Schutzwall gegen die Gentrifizierung soll nach der Stilllegung der Kehrichtverbrennungsanlage in Zürich West den hier entstehenden Freiraum gegen den immobilienwirtschaftlichen Verwertungsdruck verteidigen. In der Analyse stellt der Verfasser fest wie sich in den vergangenen Jahren das attraktive lebendige Quartier vom Kreativviertel zum monotonen Businessviertel verändert hat. In der selbst gestellten Aufgabestellung geht Philipp Vogeley von der Fragestellung aus, ob die das Quartier prägende gewerbliche Großform der Kehrrichtverbrennungsanlage erhalten bleiben kann. Zürich West wird immer mehr zu einem Luxusghetto. Der Verfasser möchte gegensteuern um das Quartier wieder zu einem attraktiven Mischviertel werden lassen. Raum für Kleingewerbe und Kreativszene sowie bezahlbare Wohnungen für Studenten und Familien sollen hier angeboten werden. Philipp Vogeley arbeitet die Potentiale und einzigartigen räumlichen Qualitäten des Industriemonumentes klar heraus und bespielt souverän die ehemalige Kehrrichtverbrennungsanlage mit einem breiten Spektrum an unterschiedlichen Nutzungen. Die in einer bemerkenswerten Professionalität und Präzision ausgearbeitete Arbeit überzeugt sowohl hinsichtlich Ihres Ansatzes mit einer klar formulierten, gesellschaftlich städtebaulichen Zielsetzung, als auch in Ihrem gekonnten handwerklichen architektonischen Umgang


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Lobende Erwähnungen

 

 

Andrea Balestrini - integrated open space strategies for Huaycán, Peru - ILPÖ

 

Lorain Beshay - Regeneration- Mehrgenerationen Wohnen in China - IWE

 

Martin Blank - Umnutzung des alten GEG- Geländes, Hamburg - IRGE

 

Hanna Stief - Girls' School- eine Schule für Mädchen in Old Delhi, Indien - IÖB

 

Yanghao Shu - Ein Geschenk für Hong Kong -ILEK


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Lesestipendien "bauwelt" für die fünf jahresbesten Absolventen:

 

 

Leonardo Alings

 

Uwe Brost

 

Paul-Rouven Denz

 

Raffaela Betz

 

Jun Tan


Kontakt

Öffentliche Kommunikation

Dipl.-Ing. Kerstin C. Ottmar

Keplerstr. 11, K1 - 1. OG, Raum 1.26

Tel. 0711/685-84912

 

E-mail: kerstin.ottmar(at)f01.uni-stuttgart(dot)de